Entwurf zu einer Neugliederung der Bundesländer in Deutschland

von Hartmut Behm, Naila


Grundlage meines Entwurfes ist die Schaffung leistungsfähiger, etwa gleich großer Bundesländer unter Berücksichtigung der geographischen, historischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten sowie unter Berücksichtigung des Subsidiaritätsgrundsatzes (der Übertragung von Aufgaben an die größere Einheit nur dann, wenn die kleinere Einheit nicht mindestens genauso gut dazu in der Lage ist).

Aufgrund der willkürlichen und zufälligen Bildung unserer derzeitigen Bundesländer erfolgte die derzeitige Einteilung in unserer Bundesverfassung zunächst nur vorläufig. Bis zum Jahr 1970 ging die Verfassung deshalb von einer Pflichtneugliederung aus. Diese Vorgabe wurde dann aber durch eine bloße Kann-Bestimmung im Artikel 29 des Grundgesetzes ersetzt.Karte des neugeordneten Bundesgebiets

Ich schlage nachfolgend die Bildung 15 neuer, etwa gleich großer und leistungsfähiger Bundesländer vor. Die Länder sollen nicht zu klein und nicht zu groß sein, weil beide Extreme mit Nachteilen verbunden sind. Weil die Länder nach unserer Verfassung die Kulturhoheit besitzen, habe ich die historischen und kulturellen Gegebenheiten berücksichtigt. Durch den gleichmäßigen Zuschnitt könnte der Länderfinanzausgleich einfacher und gerechter durchgeführt werden.

Zur nachfolgenden Beschreibung verweise ich auf die in Anlage beigefügte Skizze, auf der die von mir vorgeschlagenen neuen Bundesländern mit den Ziffern 1 bis 15 bezeichnet sind.

Aus den derzeit vier Küstenländern schlage ich die Bildung von drei neuen Ländern vor:

Im Nordwesten könnte aus dem Weser-Ems-Gebiet ein Bundesland mit dem historischen Namen Engern (1), mit Bremen als Hauptstadt gebildet werden. Mit einer Größe von 25.000 qkm wäre dieses Land leistungsfähig genug.

Östlich würde sich daran ein Bundesland, bestehend aus Schleswig-Holstein, Hamburg und dem Gebietsstreifen Cuxhaven bis Schnackenburg und der nördlichen Lüneburger Heide anschließen. Mit Hamburg als Hauptstadt schlage ich insoweit den historischen Ländernamen Angelsachsen oder Niedersachsen (2) vor. Der Vorteil wäre hierbei, dass sich der Ballungsraum Hamburg nicht mehr auf drei Bundesländer verteilt und sich geschlossen präsentiert. Auch dieser neue Nordstaat wäre mit ca. 25.000 qkm groß genug.

Aus dem südlichen Niedersachsen, einschließlich Celle und der südlichen Lüneburger Heide würde ich ein Bundesland mit dem Namen Ostfalen (5) und der Landeshauptstadt Hannover bilden. Auch damit wäre eine leistungsfähige Einheit geschaffen.

Nordrhein-Westfalen sollte in seine ursprünglichen Teile, dem Rheinland und Westfalen zerlegt werden. Zum Rheinland kämen die beiden Regierungsbezirke Trier und Koblenz hinzu, die derzeit zu Rheinland-Pfalz gehören. Die neu entstandenen Bundesländer Rheinland (8) mit der Hauptstadt Bonn und Westfalen (4) mit der Hauptstadt Dortmund wären wirtschaftlich stark genug und gut lebensfähig. Der 17 Millionen Einwohner Koloss Nordrhein-Westfalen wäre in zwei überschaubare Einheiten zerlegt. Bonn wäre für den Verlust der Stellung als Bundeshauptstadt entschädigt.

Das gut funktionierende Land Hessen (9) sollte lediglich im Süden verändert werden. Dies durch einen Gebietsaustausch, der die Abtrennung der Landkreise Erbach-Michelstadt sowie der Bergstraße und den Anschluss der Stadt und des Landkreises Mainz beinhaltet. Damit würde der Ballungsraum Rhein-Main wieder geschlossen zu Hessen gehören.

Südlich anschließend schlage ich die Bildung des Bundeslandes Pfalz oder besser noch Rheinfranken ( 12) vor. Es bestünde aus dem Saarland, der "bayerischen Pfalz" dem Raum um Alzey und Worms, aus den beiden Landkreisen Birkenfeld und Bad Kreuznach, den beiden oben genannten heute hessischen Landkreisen und dem Nordwesten des heutigen Baden-Württemberg. Als Hauptstadt kämen Karlsruhe, Mannheim oder Heidelberg in Betracht. Der Ballungsraum Mannheim läge damit geschlossen in einem und nicht wie heute in drei Bundesländern.

Da die auf der Willkür des Eroberers Napoleon beruhenden Länder Bayern und Baden-Württemberg im Süden nicht den sich historisch gebildeten Regionen entsprechen, teile ich sie in die ursprünglichen Landschaften auf. Im Norden schlage ich die Bildung des Bundeslandes Franken (13), bestehend aus den drei fränkischen Regierungsbezirken im heutigen Bayern, Hohenlohefranken, bestehend aus Tauberbischofsheim, Schwäbisch-Hall und Künzelsau sowie (aus dem heutigen Oberbayern) dem Altkreis Eichstätt (das sogar Franz Josef Strauß als urfränkisch bezeichnet hat). Als Hauptstadt schlage ich einen Städteverbund aus Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach vor.

Im Süden anschließend schlage ich die Bildung des Bundeslandes Bayern (15) mit der Hauptstadt München, bestehend aus Oberbayern, der Oberpfalz und Niederbayern vor.

Das Bundesland Schwaben (14) bestünde aus dem mittleren und südlichen Baden-Württemberg und aus dem heutigen bayerischen Regierungsbezirk Schwaben bis zum Lech. Als Hauptstadt schlage ich Stuttgart vor.

Auf dem Gebiet der "neuen Bundesländer" würde ich Berlin und Brandenburg zu einem Bundesland Preußen oder Mark Brandenburg (7) zusammenlegen.

Hinsichtlich der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern (3), Sachsen-Anhalt (6), Sachsen und Thüringen schlage ich die Zurückverlegung in die Grenzen von 1952 vor. Dem neuen Thüringen (10) wäre das alte thüringer Gebiet des Burgenlandkreises aus dem heutigen Sachsen -Anhalt hinzuzufügen. Vom heutigen Sachsen sollte das neue Thüringen die Städte Mühlttfoff, Pausa und Elsterberg erhalten. Zum neuen Sachsen (11) gingen dafür die Städte Ortrand und Ruhland.

Die obige Aufteilung lässt sich auch hervorragend zur Gliederung Deutschlands in Europaregionen für ein zukünftiges Europa der Regionen verwenden.




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