Aktstudien 04/05

Protestaktion Bamberger Studenten



Soziologie-Studentin"Macht euch nackich!!!" - unter diesem Motto suchte die Studierenden-Community Feki.de Bamberger Studenten, die ihre Hüllen für einen guten Zweck fallen lassen: Ein Aktkalender von, für und mit Studierenden der Uni Bamberg war das Ziel, für das nun die passenden Models gesucht wurden. Heute, ein halbes Jahr später, ist der DIN A3 Kalender fertig - mit faszinierend schönen Aufnahmen von Studierenden verschiedenster Fachrichtungen: 30 Akte für 15 Monate!

Die Idee der Bamberger Studenten liest sich so: "Ein Kalender - 15 Monate - 30 Akte. Die ungewöhnliche Laufzeit von 15 Monaten (Oktober 04 bis Dezember 05) macht diesen Kalender einerseits für Studierende interessant, da sie ihn als 'Studienjahreskalender' von Oktober bis Oktober benutzen können. Andererseits wird er natürlich auch jeden anderen begeistern, da er auch als 'ganz normaler' Jahreskalender von Januar bis Dezember verwendbar ist und darüber hinaus einfach mehr Bilder zu bieten hat! Jedes Blatt des DIN-A3-Kalenders ist doppelseitig bedruckt, auf der Vorderseite ist jeweils ein Frauenakt, auf der Rückseite ein Männerakt zu bewundern. Das war uns wichtig, denn schließlich studieren an unserer Hochschule sowohl Männer als auch Frauen und so sollten sich auch beide Geschlechter gleichermaßen an dieser Aktion beteiligen. Die Aktfotografien stellen jeden Monat symbolisch einen anderen Studiengang der Uni Bamberg dar. So wollen wir eine (ebenfalls symbolische!) Beziehung herstellen zu unserer Universität und unserer Stadt"

Studenten der katholischen TheologieDie symbolische Beziehung zu den einzelnen Studiengängen ist gelungen: Was stellt eine nur mit einer Krawatte bekleidete Studentin dar? Klar, europäische Wirtschaft! Der auf einer Coach sitzend und mit einer Brille bekleidete angehende Psychologin wird später das Herz vieler Menschen geöffnet. Und das als Adam und Eva mit einer Schlange umgebende Paar studiert katholische Theologie. Eine mit Rechenschieber arbeitende Studentin erinnert zwar eher an Mathematik, doch hier ist die Soziologie angesprochen. Diese Liste könnte beliebig weitergeführt werden und zeigt nur einige, der sehr gut gelösten Aktfotografien: Ein Meisterwerk!

Die Motivation der Studenten liegt nicht etwa in der Selbstdarstellung - hiervon ist man weit entfernt. Es handelt sich um eine Protestaktion, die zum einen auf die Zustände an der Bamberger Hochschule aufmerksam machen soll, auf der anderen Seite soll anderen Studierenden damit geholfen werden: "Werden wir tatsächlich unsere Bildung durch 'nackte Tatsachen' verbessern? Wahrscheinlich eher nicht…. Bei diesem Projekt soll es eher darum gehen, die breite Öffentlichkeit auf die schlechten Bedingungen aufmerksam zu machen, unter denen die Studierenden in Deutschland heute ihre Ausbildung absolvieren müssen, weil die Kapazitäten an den Hochschulen mehr als ausgereizt sind. An der Uni Bamberg studieren heute 8.000 Kommilitonen; sie ist aber immer noch für nur ca. 4.000 ausgelegt. So dürfen wir oft in völlig überfüllten Hörsälen auf der Fensterbank Platz nehmen. Was nicht das Schlimmste wäre, wenn es nicht selten auch noch passieren würde, dass wir gar keinen Platz in Lehrveranstaltungen bekommen, die zumStudentin der Soziologie Pflichtprogramm gehören. So verzögert sich das Studium unnötig und solange der Trend so bleibt, dass es immer mehr Studenten und immer weniger Lehrkräfte an den Hochschulen gibt, wird sich daran wohl kaum etwas ändern. Mit den Einnahmen aus diesem Kalender möchten wir - auch wenn sie gegenüber dem, was der Uni Bamberg eigentlich an Etat fehlt, verschwindend gering sind -  etwas Sinnvolles für die Studierenden in Bamberg tun. So wollten wir zunächst den Erlös der Uni Bamberg zur Verfügung stellen."

In der Bevölkerung wird diese Aktion sehr offen aufgenommen. Befragte Passanten konnten der Aktion nichts Schlechtes abgewinnen, vor allem "weil es sich nicht um Pornografie, sondern um wunderschöne und stilvolle Aktaufnahmen" handelt. Wie war! "Dass Studenten so auf ihre Situation aufmerksam machen, finde ich gut", so eine ältere Dame, "zu unserer Zeit hätte es aber so etwas nicht gegeben. Die Zeiten haben sich aber geändert und auch wenn ich den Kalender nicht kaufen werde, hoffe ich trotzdem, dass er einen hohen Absatz findet. Ich Studentin der europäischen Wirtschaftwünsche mir, dass die Studenten endlich Gehör finden!" Obwohl die Öffentlichkeit voll und ganz hinter den Studenten steht, kommt die Ablehnung von der Hochschule selbst: In den eigenen Reihen gebe es genug Menschen, die an diesem Kalender Anstoß nehmen. Würden die Einnahmen als Spende angenommen, wäre die Universität mitverantwortlich, wenn Studierende Ihren Job oder ein Praktikum verlieren. Angeblich wäre dies bereits der Fall gewesen - an einer universitären Einrichtung!

Auch wenn die Universität diese Spende ablehnt, die Aktion ist auf jeden Fall ein voller Erfolg: Das riesige Presseecho hat sogar die Initiatoren überrascht und der Absatz ist nahezu gesichert. Das Geld kommt trotz der ablehnenden Haltung der Universität an der richtigen Stelle an: "Feki.de garantiert jedoch, dass der Verkaufserlös trotzdem auf sinnvolle Art und Weise für die Bildung der Bamberger Studierenden eingesetzt wird. Wir haben vor, im nächsten Jahr Workshops zu Themen wie Soft Skills und Lerntechniken günstig anzubieten." Mit diesen Seminaren hofft man, die Arbeitssuche der Absolventen verbessern zu können!

Das Franken-Portal unterstützt diese Aktion der Bamberger Studenten. Informationen rund um den Kalender und auch eine Bestellmöglichkeit erhalten Sie auf der Internet-Seite http://www.aktstudien.info. Quelle Fotos und Texte: Aktstudien.info

 

 

 

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